Spinnen

Der Teppich ist fast fertig, Größe ca. 70 x 150 cm:

Ich muss noch einige Fäden vernähen. Ich wollte die erst am Rand mitlaufen lassen, aber das wurde zu wulstig, vernähen ist besser. Den unteren und oberen Rand werde ich wohl noch umhäkeln, mit den Fransen überlege ich noch, aber eigentlich finde ich die paar Fisselsdinger optisch nicht schlecht. In Form ziehen muss natürlich auch noch sein, einige Bücher sprechen sogar von dämpfen. Aber da würde ich dann lieber nass machen und spannen.
Im letzten Urlaub hat es mich gepackt, ich musste bei einem Antikhändler ein altes schwedisches Spinnrad von 1861 kaufen:

Das ist ein Flachsrad, in der Gegend wurde viel Flachs zu Leinen versponnen. Es gibt auch heute noch eine Leinenweberei in der Region Klässbol Lineväveri . Das Rad war preiswert, es hat nur ca. 35 Euro gekostet. Das ist wenig für ein blaues Rad. Und es lief besser als andere Räder, aber nach dem Kauf und bei genauer Probe zeigte sich dann, dass doch einiges im Argen war:
- die Farbe fehlte an viele Stellen oder war im Laufe der Jahre sehr ungleichmäig geworden
- das Rad - 70 cm Durchmesser - hatte einen ordentlichen Schlag und ging aus dem Leim, außerdem fehlten einige Befestigungssplinte für die Speichen
- die Achse vom Spinnflügel ist eigentlich zu kurz und rutschte beim Anspinnen raus
- diverse Teile waren locker
- die Welle des Rades - handgeschmiedet - war schief und teilweise zu buckelig, um sauber laufen zu können
und trotzdem: schööööön ist es.
Also haben wir erst mal angefangen das Rad zu leimen und zu zwingen. Der Schlag ist im Prinzip raus. Das Rad eiert jetzt aber nicht mehr zwei Zentimeter, sondern nur noch einen. Wir haben die Welle gerichtet so weit es ging und hinten an der Kurbel habe ich die Buckel aus der Welle rausgeschliffen. Der Spinnflügel hat an den richtigen Stellen U-Scheiben bekommen, so dass er nicht mehr rausrutscht. Ich werde mir allerdings im Sommer einen neuen alten Spinnflügel mit drei bis fünf Spulen kaufen - jetzt habe ich nur eine - ich kenne da einen Antikladen mit reichlich Auswahl in Schweden der für sowas zwishen 12 und 20 Euro nimmt. Die Schleifarbeiten waren reichlich. Es warn zwei verschiedene Farben drauf, eine ließ sich abwaschen und eine musste abgeschliffen werden. Dann habe ich mit blauer Lasur getestet, aber das war dann gaaaanz anders als vorher und gefiel mir überhaupt nicht. Schließlich habe ich, obwohl ich ja ein Kind der Generation Abbeizer bin die die FlowerPowerFarben der 60iger von den Gründerzeitmöbeln wieder abgebeizt haben, zu Kunstharzlack gegriffen, dieselbe Farbe wie bei der Standuhr, RAL 5003.
Das sah dann so aus:

Klar, der Glanz musste weg, bei so vielen Verzeirungen eine stundenlange Schleifarbeit, und ich arbeite immer noch Kleinigkeiten nach:

Es gefällt mir sehr so wie es jetzt ist, es spinnt gut, ich habe schon Baumwolle und Leinen darauf angesponnen.
Ich habe mal wieder bei Wollfabrik Huppertz geordert:

Coburger Fuchs Kardenband fürs “Spinnen im Museum”, ein bisschen Baumwolle, Leinen in feinen Farben. Die Pflanzenfasern sind fürs Spinnen an dem alten Rad bestimmt.
Das alte Rad erzählt seine Geschichte. Es wurden verschiedene Teile seit 1861 ausgetauscht, das sieht man. Ich habe reichich an dem Rad geschliffen und dann Lasur getestet. Das sah aber gar nicht gut aus. Temperafarben mit Ei selber zu mischen oder Leinölfarben herzustellen ist auch so eine Sache. Das Rad ist ja ein Gebrauchsgegenstand und diese Farben sind nicht sehr haltbar.
Schließlich habe ich mich dazu durchgerungen, mit einem “modernen” Lack an das alte Rad zu gehen. Immerhin haben die Menschen zu allen Zeiten danach gestrebt, Spinnräder auch so nett wie möglich aussehen zu lassen. Die Technik ist also alt, aber der Anstrich neumodisch. Aber es entspricht eben der individuellen Geschichte dieses Rades, denn es wurde immer wieder etwas erneuert. An der Technik mussten wir nur die geschmiedete Welle barbeiten, etwas zurechtbiegen und Buckel in der Welle wegfeilen. Der Schlag auf dem Rad ist seit dem leimen geringer geworden, es ist nur noch etwa ein Zentimeter, was bei einem Raddurchmesser von 70 cm akzeptabel ist.
Ich freue mich schon auf das Spinnen an dem alten Rad, aber ich muss noch etwas Geduld haben. Heute muss ich erst mal Lack nachkaufen und dann jede Menge lackieren und trocknen lassen (jeweils etwa 12 Stunden), bis ich das gute Stück anspinnen kann.
Ich habe mit dem Stäbchenwebgerät rumprobiert und wollte darauf einen Teppich weben. Ich habe einiges rumprobiert, aber das Ergebnis gefiel mir nicht, also habe ich nach etwa 20 cm die Kettfäden in die Freiheit entlassen und neue Kettfäden auf den Ashford Webrahmen aufgezogen.

So gefällt mir das jetzt viel besser, und mit dem Webrahmen weben ist auch wesentlich gemütlicher. Man setzt sich bequem aufs Sofa und hakt die hinteren Aussparungen am Couchtisch ein und los gehts.
Die Wolle ist übrigens komplett selbstgesponnen.
Jetzt weiß ich auch endlich, warum ich “Brotklipse” gesammelt habe: Die kann man zum Beispiel zum markieren verwenden, wieviele Reihen man schon gewebt hat. Oder man klipst die Kettfäden bündelweise zusammen. Dann kann man die nämlich gemütlich auf dem Sofa sitzend in den Kamm einfädeln und auf der anderen Seite erst mal wieder zusammenklipsen
Im Moment restaurieren wir das alte schwedische Spinnrad von 1861:

Das Rad hat einen Durchmesser von 70 cm. Den Schlag im Rad haben wird halbwegs wegbekommen, aber es sieht immer noch so aus, als ob ein Schlag drin ist. Das liegt an der ungleichmäßigen handgeschmiedeten Welle, die recht eierig läuft. Also habe ich heute morgen daran rumgefeilt. Nachdem das Rad geleimt ist kann man immerhin schon wieder darauf spinnen, aber es geht natürlich besser wenn es nicht so eiert. Außerdem tut diese ständige Bewegung in die falsche Richtung dem Spinnrad insgesamt nicht gut, es würde sich ein schnellerer Verschleiß einstellen. Und ich möchte ja unbedingt gelegentlich darauf spinnen können, ich finde dieses Spinnrad einfach wunderschön.
Im Moment sind wie üblich Socken in Arbeit, ebenso eine Jacke aus Space und ein Tuch aus selbstgesponnenem Mohair:
hier ist die Wolle

und das hier wird der Luna Moth Shawl

Außerdem kam heute wieder etwas “zum Lesen” an von gizmo73733

“Weaving in Style” hatte ich am Abend vor dem Spinntreffen bei gizmo73733 entdeckt, und als Ilona dann das Buch zum Spinntreffen mitbrachte (ausgeliehen bei der Stadtbibliothek Düsseldorf) war klar, dass das ein MUST HAVE ist. Und wie das so ist: Wenn man schon mal Porto bezahlt…also waren die beiden anderen Bücher auch fällig…zumal ich das linke schon seit 2 Monaten in Beobachtung hatte…
Endlich ist mal wieder etwas Gesponnenes fertig:

Links im Foto hellblaues Mohair mit königsblauem Merino verzwirnt, rechts “Schoppelkone”, ein Geschenk von Regina.
Die Mohairwolle zieht sich schon etwas länger hin, bisher sind es 210 g und es wird noch mehr, die tolle Schoppelwolle ist genauso schwer und das Ergebnis des gestrigen Spinntreffs, ich war da mal richtig fleißig.
Im Moment gibt es arbeitsmäßig viel zu tun, also kommt die Handarbeiterei viieeeeeeeeeeeel zu kurz. Ein bisschen ist trotzdem fertig geworden:

Socken aus Opal Bambusgarn. Leider waren die Farben etwas zickig und wollten sich nicht ordentlich fotografieren lassen, aber es sind hübsche frische Farben.
Und Bauernsocken mit Beyenburger Milchchafwolle in Gr. 44/45 für meinen Nachbarn zum 80. Geburtstag am Dienstag

Gestern habe ich versucht, Ouessantschafwolle aus der ungewaschenen Rohwolle zu verspinnen. Ich habe 12 Säckchen von der Wolle geschenkt bekommen, die sonst in der Müllverbrennungsanlage geendet hätten.
Die Besitzerin – eine sehr nette Person – möchte ca. 1 kg Wolle dafür gesponnen haben, möglichst aus der ungewaschenen Rohwolle, weil die Wolle fluffiger wird wenn man das Fett nach dem Spinnen rauswäscht. Aber der Versuch ist gescheitert. Die Wolle ist extrem fett. Ich bekam nach mehrstündigem Spinnen 57 g zweifädig verzwirnte Wolle heraus mit einer Lauflänge von ca. 100 m.
Nach dem Waschen waren es dann nur noch 38 g.

Zugegeben, die Wolle sieht manierlich aus und eine Lauflänge von nun fast 300 m je 100 g ist auch gut. Aber man soll ja nicht mit der Wolle kämpfen, sondern sich beim Spinnen entspannen.
Also steht wieder Wolle waschen an. Waschen und kardieren brauchen zwar auch ihre Zeit, aber mit dem Spinnen kommt man dann doch zügiger voran. Und durch schonendes Waschen ist immer noch genügend Restfett vorhanden, damit die Wolle nach dem Waschen des Strangs auch schön fluffig wird.
Insgesamt gesehen ist die diesjährige Wollernte für Ouessantschafe hier im Bergischen aber gut, es ist eine feine und gar nicht filzige Wolle herausgekommen, die sicherlich entsprechend vorbereitet beim Verspinnen viel Freude macht.