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Archive for the ‘Bobbel’ Category

Bobbel: Der Erfinder

Posted by beyenburgerin - April 12, 2017

Bobbel sind der neue Wolltrend. So scheint es zumindest. Die Angebote werden immer umfangreicher und auch große Wollfirmen versuchen jetzt mitzumischen. Deshalb möchte ich hier eine kleine Serie rund um Bobbel schreiben.

Bobbel – Wolltrend   (Was ist ein Bobbel, welche Qualitäten gibt es, worauf sollte man achten)

Bobbel – Zwirnen   (Wie mache ich aus einem gefachten ein gezwirntes Garn)

Bobbel – Stricken   (Tipps zu Stricknadeln, Mustern etc.)

Bobbel – Der Erfinder der Bobbel   (1985- der „Bobbel“ wird geboren)

(Hinweis: dieser letzte Post zu Bobbelgarn ist umfangreich und voraussichtlich werde ich noch Ergänzungen machen)

Bitte anklicken: Beispiele für den Colcoton Farbverlauf gibt es hier und hier.

Meines Wissens wurden die Farbverlaufsbobbel im Jahr 1985 hier in Beyenburg erfunden. Und zwar war der Erfinder der Bobbel der Besitzer der Firma WGF (Wuppertaler Garnbleicherei und Färberei, vormals Hasenclever und Hüser), Herrn Wolfgang Hasenack. Die Firma färbte Garne für die Industrie und Colcoton Unikat war dann der die „Handarbeitsgarn Sparte“ der Firma.

Die Bobbel im Farbverlauf von 100 Farbspiele kamen also erst wesentlich später auf den Markt. Und zu dem Zeitpunkt gab es auch den Begriff Bobbel noch nicht.

Und es wurden nicht nur die Farbverlaufsbobbel erfunden, sondern direkt ein ganzes System dahiner, die Colcoton Unikat Colorthek mit dem entsprechenden Twister (Zwirnmaschine). Der Twister wurde extra für das System entwickelt und in einer Firma in Radevormwald hergestellt.

Foto Colorthek und Twister   (Bitte auf das Foto klicken zum Vergrößern)

Weitere Fotos:

http://www.filoeuvre.com/qui-suis-je  (etwas runterscrollen)

http://www.filoeuvre.com/catalog/15/filvenne

http://www.wol-zo-eerlijk.nl/echte-unikat/

Wie funktioniert nun dieser Twister?

Es wurden 3 bis 9 Konen mit 50 g Fassungsvermögen auf den Twister aufgesetzt. Dieser hatte einen Stromanschluss und drehte sich also elektrisch.  Die Konen hatte an der Unterseite eine spezielle Form, so dass sie eingerastet werden konnten. Der Faden wurde durch eine spezielle Führung gespannt und dann auf einen Wollwickler von Hand aufgewickelt. Damals wurden noch überwiegend Pullover und Jacken gestrickt. Es wurden also 4 oder 5 Knäuel mit Farbverlauf gewickelt, für Vorderteil(e), Rückenteil und Ärmel. An dem Twister selber war ein Zählwerk angebracht. Man berechnete vorher wann man eine Farbkone wechseln musste oder hielt sich dafür an Anleitungen.

Anleitungen wurden in dem Designstudio von WGF Colcoton Unikat entwickelt (für das ich auch Modelle gestrickt habe). Es wurden mehrere eigene Zeitschriften mit Anleitungen erstellt. Außerdem gab es Werbung in den gängigen Handarbeitszeitschriften sowie ab und an auch dort Modelle. Ebenso hab es einen Stand auf der Handarbeitsmesse (Fachbesuchermesse) in Köln.

Colcoton 2

Foto eines Modells aus einer damaligen Zeitschrift der Firma WGF (ich habe nachgefragt, diese Fotos dürfen gezeigt werden). Diesen und den nächsten Pullover habe ich damals gestrickt. Man sieht die sanften Farbübergänge des Farbverlaufs. Den Sternenpullover hatte ich nach einer Skizze gestrickt und konnte ihn später erwerben. Das ist schon etwa 25 Jahre her

Wie man sehen kann, bestand (und besteht weiter bei Venne) das Colcoton Unikat System zunächst aus kleinen Konen mit jeweils 50 g Garn. Diese gab es in einer unglaublichen Farbenvielfalt, 100 Farben, und in vielen Garnqualitäten: merzerisierte Baumwolle (Programm 7) in allen und und reine Schurwolle (Programm 4) in nahezu Farben der Farbpalette. Gekämmte Baumwolle (Programm 8), Baumwoll-Schurwollmischung (Programm 6), Alpaka aus Chile, reine Schappseide (Programm 9) und Mohair (Programm 2). Ich habe das große Glück, noch einen Farbfächer aus den frühen 90igern in meinem Besitz zu haben (siehe Foto oben).

Geliefert wurden an die Geschäfte jeweils 500 g, also 10 Konen, die auf einem Blistertablett steckten. Man konnte diese Tabletts problemlos übereinander stapeln. Leere Konen und Blistertabletts wurden zurückgenommen un wiederverwendet.

Hier sind noch meine kleinen Restbestände von Colcoton Unikat Kidmohair und einem mittlerweile farblich veränderten Blistertablett zu sehen. 

Colcoton Unikat war also ein geniales System, um Farbverläufe aus hochwertigen Garnen herzustellen. Lediglich das Mohair hatte 25% Polyamid-Beimischung, sowie Glitzer-Beilauffäden aus Synthetik, alle anderen Garne waren reine Naturgarne. Ab Mitte der 80iger und bis Mitte der 90iger war das eher ungewöhnlich. Man konnte die verschiedenen Garnqualitäten auch auf dem Twister mischen, z.B. auch eine Mischung aus Schurwolle und Alpaka erstellen usw.

Colcoton 1 a

Kinderpullover, die ich für meine Kinder entworfen hatte und dann auch für die WGF Zeitschrift in Colcoton Unikat nachgestrickt hatte. 

Beyenburgpullover, mein Entwurf aus dem Jahr 1990, gestrickt mit Colcoton Unikat Garnresten aus der Restekiste im Designstudio

Der Strickboom, der Anfang der 80iger eingesetzt hatte, hielt leider nicht an. Da half es auch nicht, ein geniales Farbverlaufsgarn-System erfunden zu haben. Mitte der 90iger gab WGF die colcoton Unikat Sparte an die Firma Bender in Holland ab, die es dann 1997 an Venne weitergab. Immerhin existiert bei Venne das Colcoton System weiter. http://www.vennecolcoton.com/catalogus/garens_Yarns_Garne.html Aber es ist noch nicht wieder zu der Bekanntheit gelangt, die es in den 90iger Jahren hatte. Und es ist schwierig, ein Geschäft zu finden, dass noch die gesamte Colorthek anbietet. Die Firma Venne spezialisiert sich eher auf Webgarne und bietet daher Colcoton Unikat eher für den Webbereich ein. Zum Teil findet man ein kleines Angebot auch in Läden für Klöppelzubehör.

Die Firma WGF gibt es leider nicht mehr. Die wohl berühmteste Färbung, die je in dieser Firma gefärbt wurde, ist die Installation von Christo „The Gates“ im Central Park in New York.

Schade, dass der Bobbel-Boom nicht einige Jahre früher kam. WGF hätte sicherlich traumhafte Farben für die Bobbelwickelei färben können. Und es gab die Kontakte, an extrem hochwertige Rohgarne zur Färbung zu gelangen. Das würde den heutigen Markt eindeutig noch bereichern.

Vielen Dank an Herrn Wolfgang Hasenack, der mittlerweile 90-jährig nun in der schönen Oberlausitz wohnt,  mit dem ich einen netten Email Kontakt hatte um noch einige Fakten zu erfragen.

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Bobbel: Stricken

Posted by beyenburgerin - April 10, 2017

Bobbel sind der neue Wolltrend. So scheint es zumindest. Die Angebote werden immer umfangreicher und auch große Wollfirmen versuchen jetzt mitzumischen. Deshalb möchte ich hier eine kleine Serie rund um Bobbel schreiben.

Bobbel – Wolltrend (Was ist ein Bobbel, welche Qualitäten gibt es, worauf sollte man achten)

Bobbel – Zwirnen (Wie mache ich aus einem gefachten ein gezwirntes Garn)

Bobbel – Stricken (Tipps zu Stricknadeln, Mustern etc.)

Bobbel – Der Erfinder der Bobbel (1985- der „Bobbel“ wird geboren)

Tuch Kite-O-Mania aus 100% Merino „Shenga“ von Wollium

Von einer Häklerin habe ich gehört, dass sie Bobbelgarn gerne gefacht verhäkelt, weil das Gehäkelte dann weicher wird. Ich selber habe keine Erfahrungswerte dazu.

Ich persönlich verstricke Bobbegarn am liebsten, wenn ich es zuvor verzwirnt habe. Dann muss ich nicht immer schauen, ob ich auch alle Fäden erwischt habe. Ich lese zum beispiel gerne, während ich stricke.

Da die meisten aber ohnehin aufs Strickzeug schauen, ist es unerheblich, ob das Bobbelgarn gefacht oder verzwirnt ist.

Wichtig ist allerdings, dass man gute Stricknadeln verwendet, die keine rauen Übergänge zwischen Seil und Nadel oder bei Schraubsystemen auch Löcher mit Graten daran haben.

Ich möchte hier auf meinen Chiaogoo Stricknadeltest verweisen. Dort gibt es einen Vergleich mit anderen Stricknadeln sowie Nahaufnahmen, auf denen man das Problem der   Grate und der Seilübergänge erkennen kann. Bei schlechten Seilübergängen rutscht schnell mal ein Fädchen oder zwei in diesen Übergang. Da macht das Stricken keinen Spaß. Hier mal ein Beispiel aus meinem Test:

Oben Knitpro, unten Chiaogoo. Bei Knitpro erkennt man schon einen Übergang an den Seilen, an dem ein Fädchen hängenblieben kann. Bei Chiaogoo erkennt man das sauber ausgebohrte Loch ohne Grate. Hier noch ein paar Detailfotos.

Außerdem finde ich es hilfreich, mit Stricknadeln mit einer langen Spitze zu stricken wie bei den Chiaogoo Stricknadeln oder anderen Lacenadeln. Dazu finden sich auch Fotos verschiedener Nadeln in dem Test. Addi Lace hatte ich mir vor etwa 10 Jahren gekauft. Die haben sich aber farblich verändert, sowohl die Spitzen, als auch die Seile. Und sind nicht mehr besonders glatt, so dass die Maschen nicht gut über die Nadel rutschen. Aber das muss jeder für sich testen.

Mit meinen Chiaogoos bin ich jedenfalls auch nach zwei Jahren noch total zufrieden. Besonders gefällt es mir, dass ich durch die flachen Spitzen, glatten Nadeln und guten Übergänge schneller stricken kann. Dabei mache ich bei den einzelnen Maschen keine schnelleren Bewegungen, es strickt sich eben alles nur glatter und ohne Unterbrechungen, weil irgendwo wieder etwas hängt oder so. Und das Einstechen läuft mit den speziellen Spitzen auch reibungsloser ab.

Möchte man an ein Kleidungsstück aus Bobbelgarn noch Perlen und Fransen machen, so sollte man bedenken, dass man am Anfang hierfür eine ausreichende Menge Garn erst einmal abwickelt, bevor man anschlägt. Später wird man diese Farbe ja nicht mehr im Knäuel finden.

Bei glatt rechts Gestrick sind Farbübergänge deutlich sichtbarer als bei Mustern wie zum Beispiel kraus rechts oder Lochmustern. Man sollte dshalb in Erwägung ziehen, Bobbel nicht unbedingt glatt rechts zu stricken. Es sei denn, man möchte den Übergang der einzelnen Farbstreifen betonen.

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Bobbel – Zwirnen

Posted by beyenburgerin - April 9, 2017

Bobbel sind der neue Wolltrend. So scheint es zumindest. Die Angebote werden immer umfangreicher und auch große Wollfirmen versuchen jetzt mitzumischen. Deshalb möchte ich hier eine kleine Serie rund um Bobbel schreiben.

Bobbel – Wolltrend (Was ist ein Bobbel, welche Qualitäten gibt es, worauf sollte man achten)

Bobbel – Zwirnen (Wie mache ich aus einem gefachten ein gezwirntes Garn)

Bobbel – Stricken (Tipps zu Stricknadeln, Mustern etc.)

Bobbel – Der Erfinder der Bobbel (1985- der „Bobbel“ wird geboren)

(Hinweis: ich werde diese Blogposts nach und nach schreiben und dann hier verlinken)

Bobbel, Merino, Karibik von Wollium, links 750 m gezwirnt, rechts 550 m ungezwirnt

Zwirnen ist das Verdrehen mehrerer Fäden miteinander. Beim Handspinnen verzwirnt man oft zwei Fäden miteinander. Zweck des Zwirnens ist es, ein Garn stabiler und haltbarer zu machen.

Wenn man Bobbel zwirnt, erhält man einen Faden, bei dem die 4 Fäden des Bobbelgarns miteinander verdreht sind. So erhält man einen einheitlichen Faden, der sich leichter stricken lässt, ohne zwischen die einzelnen Fäden zu stechen. Eine Häklerin hat mir versichert, dass dies fürs Häkeln undwichtig ist. Sie häkelt sogar gerne mit den 4 nebeneinander liegenden Fäden. Sie meint, das Gehäkelte wird dann weicher.

Bobbel Lollipop verzwirnt und zum Strang gehaspelt. Darüber unverzwirnte Fäden von Bobbel Denim Ocean, beide von Wollium.

4-fädiges Bobbelgarn ist eigentlich keine ganz korrekte Bezeichnung. Denn in jedem dieser 4 Fäden sind bereits 2 Fäden verzwirnt. Es ist also eigentlich schon 8-fädiges Garn. Das zu wissen ist wichtig fürs Zwirnen.

Meistens wird rechts herum gesponnen. Man nennt das Z-Spinnen, weil der Faden mit einer Drehung rechts herum entsteht, was dann optisch dem Mittelteil des Buchstabens Z ähnelt. Zwirnt man nun zwei oder mehr dieser Z gesponnenen Fäden, so macht man dies in die andere Richtung. Das nennt man dann S-Zwirnen. Der Mittelteil des Buchstabens S ähnelt optisch einem links herum gezwirnten Faden. Die 4 Fäden des Bobbels sind als bereits gezwirnt, sie sind aus jeweils 2 S-gezwirnten Fäden entstanden.

Siehe auch: Wikipedia (grafische Darstellung von S – und Z – Zwirnung)

Auf diesem Foto kann man die S-Zwirnung der 4 Doppelfäden erkennen. Bobbel Raya von Wollium

Daraus folgt, dass man die Bobbelfäden beim miteinander Zwirnen rechts herum verdrehen muss, also Z-Zwirnen. Dieses doppelte Zwirnen nennt man Cablé, es entsteht ein besonders haltbares Garn. Beim Bobbelgarn geht es darum, ein leichter zu verstrickendes Garn zu erzielen. Da die Bobbelfäden für dieses weitere Verzwirnen nicht vorgesehen waren, entsteht ein leicht überdrehtes Garn. Sofern man Muster strickt und nicht nur glatt rechts hat dies aber keine Auswirkungen aufs Gestrick.

Man kann Bobbel auf dem Spinnrad zwirnen, weiter unten mehr dazu. Die anschaffung eines guten Spinnrads ist nicht gerade billig, deshalb möchte ich hier die einfachste Methode zeigen. Es gibt Wollwickler zu kaufen, die gleichzeitig zwirnen. Sie sind auch für große Knäuel geeignet. Es gibt auch Twister mit kleineren Konen, zum Beispiel von Daruma. Diese sind aber nur für etwa 100 g Wolle geeignet. Fürs Bobbel wickeln eigenen sich Twister (=Zwirner, zwirnen heißt auf Englisch ‚to twist’) in der Bauart des Jumbo L2, die es in verschiedenen Online-Shops oder in einem Online Auktionshaus zu kaufen gibt.

Twister Größenvergleich: Bobbel Tango, 250 g, von Wollium. Es passt noch deutlich mehr auf den Twister. 

Die Twister haben ein Getriebe, so dass sie viel schneller laufen als man die Kurbel dreht. Außerdem dreht sich durch das Getriebe die Richtung. In die die Kone des Twisters läuft. Das bedeutet, dass die Wolle links herum verdreht wird, wenn man die Kurbel nach rechts, also im Uhrzeigersinn, dreht. Da die Wolle aber von hinten nach vorne einläuft, bedeutet dies, dass sie Z gezwirnt wird, wenn man im Uhrzeigersinn kurbelt. Also das, was man haben möchte. Beim Zwirnen lässt man den Faden durch die Hand laufen und hält so eine gewisse Spannung des Fadens aufrecht.

Der Faden wird erst durch den hinteren Fadenhalter gefädelt, dann durch einen der beiden „Arme“ die um die Kone kreisen. Danach das Ende im schlitz oben an der Kone befestigen. 

Es reicht allerdings nicht, einen Bobbel nur einmal „durch den Twister zu drehen“. Die Bobbel Knäuel werden in der Regel „in der Bobbelei“ rechts herum gewickelt. Der Faden verdreht sich dabei ein wenig in S Richtung. Beim ersten Twisten dreht man diese Verdrehung heraus, die Fäden sind dann alle unverdreht. Nun muss man den Bobbel noch etwa 4 mal zwirnen, um einen Faden zu bekommen, den man gut verstricken kann, ohne zwischen die Fäden zu stechen. Das klingt erst mal öde, aber man hat ein preiswertes Werkzeug, mit dem man seine Bobbel zwirnen kann.

Beim Zwirnen sollte man noch beachten, dass der Faden schneller auf den neu entstehenden Bobbel gewickelt wird, je dicker dieser auf dem Twister wird. Daraus folgt, dass man ihn abwechselnd vom einen und vom anderen Ende her wickeln sollte, damit ein Knäuel etwa gleichmäßig verzwirnt wird. Dabei jeweils die Kurbel in dieselbe Richtung drehen, also im Uhrzeigersinn. Der Twister gibt vor, wie man zwirnt. Es ist also unerheblich, ob man schnell oder langsam kurbelt. Wenn man aber gleichmäßig kurbeln möchte, kann es helfen, wenn man im Kopf einfach die Runden der Kurbel mitzählt.

Strickbild Tuch Tulpengarten, Baumwolle/Polyacryl verzwirnt.

Da der Faden leicht überdreht ist, kräuselt er ein wenig, wenn man ihn ein Stück herauszieht. Das ist normal. Die Verzwirnung kann sich auch im Knäuel „setzen“, wenn man den Bobbel nicht sofort nach dem Zwirnen verstrickt. Aber leicht überdreht wird er bleiben. Das ist unwichtig, wenn man nicht glatt rechts strickt, ein Muster gleicht dies aus.

Leicht überdrehter Faden für das Tuch Tulpengarten, darüber unverzwirnte Fäden Denim Ocean.

Man kann Bobbel natürlich auch auf dem Spinnrad zwirnen. Dazu sollte man ein Spinnrad mit großer Spule wie Louet S10, Ariadne usw. haben, oder ein moderneres Spinnrad mit Jumbospule. Kleine Spulen eignen sich nur bedingt, denn viele Bobbel sind deutlich größer als die üblichen 100 bis 150 g der Standardspulen. Dann müsste man alle Fäden zwischendurch abschneiden.

Es lohnt sich meiner Ansicht nach nicht, ein Spinnrad extra zum Bobbel zwirnen zu kaufen.

Strickbild Betula Poncho (Anleitung kommt bald), Baumwolle/Polyacryl verzwirnt

Das Schwungrad muss in Uhrzeigerrichtung laufen. Die Zwirnung muss vor dem Einzugsloch etwas stärker sein, als man sie zum Schluss haben möchte. Dadurch, dass der Faden hinter dem Einzugsloch auf die Spule gewickelt wird, wird etwas Drehung aus dem Faden genommen. Davon hängt also ab, wie lange ich den Faden festhalten muss, bevor ich ihn auf die Spule laufen lasse.

Ich höre und lese immer wieder, dass Spinnerinnen ungerne zwirnen. Ich finde, es wird einfacher, wenn man im Kopf mitzählt, wie oft man tritt. Oder man zählt z.B. immer wieder bis 50 oder 100 und schiebt dann den Haken weiter oder hängt den Faden auf einen anderen Haken des Spinnflügels. So bekommt man auch einen gewissen Rhythmus ins Treten und kann dadurch auch gleichmäßiger mit den Händen arbeiten.

Das Strickbild entspricht nach dem Zwirnen annähernd einem „normalen“ Faden.

Man kann den gezwirnten Bobbel nachbearbeiten. Beim Handspinnen ist es üblich, dass man eine Wolle haspelt, das heißt zum Strang wickelt. Hierfür braucht man nicht unbedingt eine Haspel, es reichen zum Beispiel auch die Beine eines umgedrehten Hockers oder Stuhls. Man wickelt den Bobbel zum Strang und bindet ihn an 4 Stellen mit einem anderen Faden ab, damit die Fäden nicht durcheinander geraten. Dann badet man den Strang mindestens eine halbe Stunde in lauwarmem Wasser. Dadurch wird der Drall (die Drehung) innrhalb des Strangs ausgeglichen. Dann wird der Strang zum Trocknen aufgehängt und zum Schluss wieder auf dem Twister als Bobbel gewickelt.

Ich habe dies für Bobbelgarn 50% Baumwolle/50 % Polyacryl getestet. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das Baden einen erkennbaren Unterschied gemacht hat. Für Merino habe ich das noch nicht getestet. Es bleibt also jedem selbst überlassen, hier weitere Versuche zu machen oder zum Beispiel in einem Kommentar davon zu berichten. Merino ist aber insgesamt anpassungsfähiger und nicht so „starr“ wie eine Baumwoll-Polyacryl-Mischung.

Bobbel Maxi Kolibri von Wollium, 100 % Merino, 750 m

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Bobbel – Wolltrend

Posted by beyenburgerin - April 8, 2017

Bobbel sind der neue Wolltrend. So scheint es zumindest. Die Angebote werden immer umfangreicher und auch große Wollfirmen versuchen jetzt mitzumischen. Deshalb möchte ich hier eine kleine Serie rund um Bobbel schreiben.

Bobbel – Wolltrend (Was ist ein Bobbel, welche Qualitäten gibt es, worauf sollte man achten)

Bobbel – Zwirnen (Wie mache ich aus einem gefachten ein gezwirntes Garn)

Bobbel – Stricken (Tipps zu Stricknadeln, Mustern etc.)

Bobbel – Der Erfinder der Bobbel (1985- der „Bobbel“ wird geboren)

(Hinweis: ich werde diese Blogposts nach und nach schreiben und dann hier verlinken)

Bobbel Wollium 2

Bobbel in den Farben Schwarzwald, Karibik und Shenga (100 % Merino) von Wollium.

Wo der Begriff Bobbel herkommt und wer den zuerst verwendet hat, weiß ich nicht. Fest steht aber, dass es aus Einzelfäden gewickelte Farbverläufe schon lange vor dem Ausdruck Bobbel gab. Dazu gibt es mehr Information unter „Bobbel – Der Erfinder der Bobbel“.

Mit Bobbel werden mit einem Wollwickler handgewickelte Knäuel bezeichnet, die einen Farbverlauf aufweisen. Die meisten angebotenen Bobbel sind 3-fädig oder 4-fädig, man findet aber auch alles von 2-fädig bis 8-fädig. Das Garn ist gefacht, das heißt, die Fäden liegen nebeneinander.

Bobbel Fäden 2

Bobbel „Karibik“, 100 % Merino, von Wollium

Der Farbverlauf wird allerdings nicht von Anfang an in das Garn hinein gefärbt, sondern entsteht beim Wickeln durch den Farbwechsel bei einzelnen Fäden. Es wird also zunächst eine bestimmte Länge (Meterzähler) mit den Ausgangsfäden gewickelt, bevor die Farbe für einen Faden ausgetauscht wird. Dort wird der bisherige Faden abgeschnitten und mit dem Faden einer neuen Farbe verknotet. Je ähnlicher sich diese beiden Farben sind, um so weniger fällt der Farbübergang auf. Hier geht es also um die Farbauswahl und das Geschick der Bobbelhändlerin (meistens sind es Frauen) und um ihr Gefühl für Farben sowie ihrer Kenntnis des Farbenkreises.

Tuch Tulpengarten, Bobbel „Lollipop“ von Wollium

Aber auch stärkere Farbunterschiede können recht harmonisch gewickelt sein.

Tulpengarten III 1

Tuch Tulpengarten, Bobbel Maxi Iris von Wollium , gestrickt von Ulla S.

Betula Poncho (Anleitung erscheint demnächst), Bobbel Denim Ocean von Wollium. Sanfte Farbübergänge und ein lebhaftes Muster lassen die Übergänge nicht streifig erscheinen.

Farbqualität: Die Farbqualität dürfte bei allen Bobbelgarnen etwa gleich sein. Es gibt für die Färbungen Standards in der Textilindustrie. Mit einem Auswaschen der Farben ist nicht zu rechnen. Genauere Informationen habe ich diesbezüglich bisher aber nicht.

Garnqualitäten: Bobbel werden meistens in einer Mischung aus 50% Baumwolle/50 % Polyacryl (fast alle Anbieter) oder in 100 % Merino (z. B. Wollium) angeboten. Es gibt aber auch Bobbel aus reinem Acryl (Hochbausch). Reine Baumwolle, Schurwolle-Polyamid-Mischung (Sockenwolle), Polyacryl-Wolle-Alpaka, sowie Mischungen mit Mohair, Lambswool oder Seide habe ich bei Garnmanufaktur gefunden. Außerdem gibt es Bobbel mit Glitzerfäden.

Zugegeben, Merino ist mein Favorit, das sind wunderbar weiche Garne. Die Baumwolle ist meines Wissens nicht mercerisiert, was früher noch üblich war. Nicht mercerisiert ist sie glanzlos, wahrscheinlich ist das der Grund, warum sie mit 50 % Polyacryl gemischt wird, um Glanz zu erzielen.

Wickel-Qualität: Für mich persönlich ist es wichtig, in welcher Länge die Fadenenden an den Knoten abgeschnitten werden. Danach sollte man fragen, bevor man Bobbel bestellt. Oder die Informationen der jeweiligen Bobbelhändlerin durchlesen. Sehr zufrieden bin ich mit Wollium, die Fadenenden sind ca. 20 cm lang. So kann man sie wunderbar noch ein paar Maschen mitstricken und dann unsichtbar vernähen.

Bobbel Fadenenden 2

Fadenenden bei Wollium

Bobbel Fadenenden 4

Fadenenden bei einer anderen Wollhändlerin, sehr kurz, ca. 1 cm: Beim Häkeln kann man die noch irgendwie in Maschen verschwinden lassen, beim Stricken wird es da schon schwieriger.

Neben den Fadenenden ist es natürlich wichtig, dass die Bobbel ohne Schlaufen gewickelt werden. Mit der entsprechenden Sorgfalt und Einrichtung von Spannvorrichtungen für die Fäden usw. ist das durchaus möglich. Hat man einen Bobbel mit Schlaufen erwischt, so muss man gerade bei Baumwolle/Polyacryl einen neuen Knoten machen, da das Garn unelastisch ist und man die Schlaufe nicht über die nächsten 10 bis 20 m verschwinden lassen kann, indem man sie immer wieder ein Stück weiter zieht.

Lieferzeiten: Bobbel von hiesigen Händlerinnen sind in der Regel Handarbeit Made in Germany. Die Bobbel werden direkt bei den Händlerinnen von großen Konen gewickelt. Manche bieten nur bereits gewickelte Bobbel aus dem Lagerbestand an. Nur große Händlerinnen können Bestellungen binnen weniger Tage abarbeiten, weil sie ständig ihr gesamtes Angebot wickeln.

Die „normalen“ Bobbelhändlerinnen wickeln in der Regel mehrere Bestellungen einer Farbstellung. Nur so kann die tolle Farbenvielfalt angeboten werden. Es müssen Konen herausgesucht werden, die Wicklung vorbereitet werden, indem die Konen entsprechend platziert werden usw. Das kostet Zeit und würde die Bobbel teurer machen, wenn jede Bestellung sofort abgearbeitet wird. Durch die Rationalsierung mit den üblichen Lieferzeiten von 2 bis 3 Wochen sind die Bobbel erschwinglich. Und Vorfreude ist ja bekanntlich die beste Freude.

Einige Händlerinnen bieten einen Teil ihres Sortiments und häufig bestellte Farbstellungen auch zum Sofortkauf an. Zum Beispiel gängige Bobbel 4-fach mit Lauflängen von 550, 750 oder 900 m oder ähnliches. Bei manchen großen Bobbelhändlerinnen gibt es das gesamte Sortiment zum Sofortkauf.

Bobbel Wollium Maxi Iris

Bobbel Maxi Kolibri, 100 % Merino, von Wollium

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